Am 10. und 17. Mai 2026 wurde das Himmelfahrtsoratorium von Bach und die Himmelfahrtskantate eines Gegenwartskomponisten aus Rumänien aufgeführt. Wunderbare Musik, die unseren Glauben hinterfragt. Danke an alle Solisten und die beiden Chorleiter Peter Kleinert und Jochen Schubert.

Teil 1
Die Geschichte von der Himmelfahrt Jesu wirkt eher merkwürdig. Aber sie hat es in sich. Mannigfaltige Gefühle werden die Jünger durchströmt haben – ein Wechselbad der Gefühle:
– voll Lust und Trübsal
– schüchterner Jubel
– unruhig suchend im Gewirr der Stimmen, der bedrohlichen Ereignisse, die für das eigene Leben keinen Sinn ergeben, da verschleiert ist, dieser Gott, der sich zu oft nur im Nebel tastend erfahrbar zeigt, aus dem Nebel der Glorie.
Bereit sind wir schon. Wer möchte nicht das Leben, sein eigenes Leben finden und spüren, kosten, ja auskosten?!
Es ist wie ein bedeutender Abschied, der Schmerz und Freude, Glück und Leid, Bangen und Hoffen in sich vermischt birgt. Immer kleiner werden die Bilder. Wir schauen, bis wir nichts mehr sehen. Einen Moment der Besinnung braucht man noch, bis der Weg in den Alltag, in das ganz Eigene wieder gegangen werden muss.
Die Begegnung aber lebt fort, prägt vielleicht sogar das eigene Sein in seiner Tiefe. So ist es: Gott fähret auf mit Jauchzen und Mühsal; nichts zum Anfassen; nichts zum Festhalten. Nun muss sich für jeden der Glaube an Gott, an das Leben, bewähren, in langen anhaltenden Prozessen erwachsen werden, in das Leben hineinwachsen. Bonhoeffer sagt: Wir leben im Vorletzten und glauben das Letzte. Himmelfahrt ist nicht einfach, auch der Glaube danach ist es nicht.
Himmelfahrt – wie geht das?! Wie geht es im dazwischen?!
Teil 2
Das große Thema des Glaubens und damit jeglichen Lebens ist die Erwartung. Ohne Erwartung ist das Leben tot; da ist auch die Hoffnung, die bekanntlich zuletzt stirbt, tot.
Und vielleicht gilt für Himmelfahrt am meisten: Der höchste Grad unserer Glaubensgewissheit, ist die Erwartung – voller Hoffnung der Blick mit einem Herzen voller Sehnsucht, da es schon spürt, weiß, erkennt, ein Herz, dass es nicht von kahler Blüte lebt.
Doch es gibt die Zusage, eine göttliche Verheißung: Ich, sagt Jesus, lasse Euch nicht als Waisen zurück. Gottes Geist kommt, ist in dieser Welt. Im Himmelfahrtsoratorium gebraucht der Textdichter das schöne Bild des Kusses, der Zartheit, Verbundenheit, Innigkeit: daß wir den Heiland küssen. Es ist ein Gruß, ein Kuss in dieser Zeit. Im Oratorium heißt es: Deine Liebe bleibt zurücke, daß ich mich hier in der Zeit an der künftgen Herrlichkeit schon voraus im Geist erquicke…
Das eben ist Jauchzen und Mühsal, Freude und Auftrag, göttliches Leben.
Die kaum zu überbietende Festlichkeit im Eingangschor, der Jubel, das Lob zu Gottes Ehren ist die Vergewisserung, dass trotz des Schwindens in die Unsichtbarkeit ein Gott ist, der an unserer Seite steht und bleibt. Der Choral quasi in der Mitte des Oratoriums hält dies fest -Nun lieget alles unter dir… -, als müsste die gläubige Seele sich erneut vergewissern. Ansonsten nämlich manches ‚Ach‘ mit der Sehnsucht nach Gottes Umarmung im Herzen: Wenn kömmt die liebe Zeit, hier und dort…?
„Gott ist da und Leben mehr als ist.“ „Komm, stelle dich doch ein!“
Jochen Schubert







