Impuls am 21. März – 6. Kreuzwegstation

Eröffnung:
Im Namen + des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.
Mit Jesus Christus sind wir auf dem Weg.
Mit Jesus Christus gehen wir den Kreuzweg.

Liedruf (GL 286):
Bleibet hier und wachet mit mir! Wachet und betet, wachet und betet!

6. Station: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch

Lesung zur Station (Psalm 27, 8 – 9a):
Mein Herz denkt an dich: Suchet mein Angesicht!
Dein Angesicht, HERR, will ich suchen. Verbirg nicht dein Angesicht vor mir.

Betrachtung:
Die Hauptperson der Geschichte um das Schweißtuch Jesu trägt einen Namen, der verrät, worum es eigentlich geht: die Sehnsucht danach, das Antlitz Gottes zu schauen. Gleichzeitig verrät diese wahre Legende auch, wie dieses Ziel erreicht werden kann.

Ein wahres Bild, die „wahre Ikone“ – Vera Ikon, das Antlitz Jesu. Was für eine schöne Legende, deren Hauptperson „Veronika“ einen sprechenden Namen hat! Legenden werden meist in einer Schublade knapp unterhalb der Realität abgelegt. „Wenn es nicht wahr ist“ – so sagt ein italienisches Sprichwort – „so ist es doch gut erfunden“. Es gibt allerdings Wahrheiten, für die müssen wir die Grenze des Sichtbaren übertreten. Wo blieben die großen Wahrheiten ohne solche wahren Erfindungen?

In unserer wahren Legende vom wahren Antlitz Jesu entsteht ein Bild auf wunderbare Weise. Es wird nicht „von Menschenhand geschaffen“ wie alle Bilder sonst, sondern weil eine Frau mit Jesus leidet. Mitten unter der Folter, auf dem Weg zur Schädelstätte, müssen sich die Blicke getroffen haben, von Angesicht zu Angesicht. Veronika wendet sich diesem Antlitz zu und drückt zur Linderung ein Tuch darauf, um Blut, Schweiß und Tränen zu trocknen. Was auf dem Tuch zurückbleibt, ist echt, die wahre Ikone, das wunderbar echte Bild des göttlichen Antlitzes, von einer Mitleidigen erzeugt, mitten aus Leiden und Mitleiden.

Aber war es denn ein Gottesbild? „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“, spricht Jesus im Johannesevangelium (14,9) zu Philippus. Auch der hatte gebeten: „Zeige mir den Vater“. Dass der Geist Gottes im Menschenfleisch präsent werden kann, das ist die Botschaft der Inkarnation. Die Geschichte vom Schweißtuch der Veronika kann man als Präzisierung lesen. Wer einem Gequälten Linderung verschafft, sieht das Bild des unsichtbaren Gottes.

(Nach Eckhard Nordhofen)

Stille

Gebetsruf:
Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich.
Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

 

Kreuzweg auf dem Weg zur Kapelle der Madonna della Corona
(Fotos: M. Müller, Zusammenstellung: Christoph Nitsche)
Kompletter Kreuzweg: Link – Alle Impulse der Fastenzeit: Link.