6. Station:   MITLEID – Veronika reicht Jesus das Schweißtuch

 

Lesung: Ps 27,8–9:

8Mein Herz denkt an Dich: Suchet mein Angesicht!
Dein Angesicht, Herr, will ich suchen.

9Verbirg nicht Dein Angesicht vor mir;
weise Deinen Knecht im Zorn nicht ab!
Du wurdest meine Hilfe.
Verstoß mich nicht, verlass mich nicht,
Du Gott meines Heils!

 

Bildbetrachtung:

Aufrecht steht Veronika vor uns,
ihr Kleid: Ein edles rotes Tuch.

In den Händen hält sie ein anderes Tuch, das legendäre Schweißtuch.

Ulrich Barnickel, der Künstler, hat es als Spiegel gestaltet, in Form einer großen Scherbe.

Darin spiegelt sich der Patrouillenweg der ehemaligen DDR Grenzbefestigung, anstelle des Gesichtes Jesu.

Wenn wir davor stehen, können wir uns selbst darin spiegeln.

Wir anstelle Jesu Angesicht?

 

Lassen Sie das Bild eine Weile auf sich wirken!

 

 

 

Meditation:

Die Begegnung mit Veronica wird nicht in der Bibel erwähnt. Es ist eine alte Legende.

Der Name Veronica kommt von „Vera Icon“, wahres Angesicht.
Insbesondere das Gesicht ist für eine Person maßgeblich.
Daran erkennt man gewöhnlich den Menschen am besten.

Im Mitleid versetze ich mich in die Person gegenüber.
Ich erkenne ihr Angesicht, ihr wahres Gesicht.
Oft sind unsere Begegnungen aber von Oberflächlichkeit geprägt!
Das ist besonders dann der Fall, wenn wir uns mehr auf uns selbst, als auf unser Gegenüber konzentrieren.

Wie begegne ich Jesus?
Nur oberflächlich, oder versuche ich, sein wahres Gesicht zu erkennen?
Hat er bei mir schon einen Abdruck, einen bleibenden Eindruck hinterlassen?
Bedeutet es mir etwas, diesen wie ein kostbares Tuch zu konservieren?

Jesu Angesicht in der Ewigkeit, bleibt uns auf Erden noch wie von einem Schleier verborgen.
Nach dem Tod werden wir vor sein wahres Angesicht treten.

Freuen Sie sich schon darauf?

 

 

Lied: Du edles Angesichte (GL 289, 2)

2Du edles Angesichte,
davor sonst schrickt und scheut
das große Weltgewichte;
wie bist Du so bespeit,
wie bist Du so erbleichet,
wer hat Dein Augenlicht,
dem sonst kein Licht nicht gleichet,
so schändlich zugericht?

 

Gebet:

Jesus Christus, wir bitten Dich:
Wende uns Dein Angesicht zu und sei uns gnädig.
Lass uns erkennen, was Dein wahres Gesicht ist.
Vergib uns, wenn wir Dir zu oberflächlich gegenüber treten.

Amen

 

Foto und Text: Martin Geibel,
Skulptur: Ulrich Barnickel, Weg der Hoffnung, point alpa.
Weitere Hinweise zum diesjährigen Kreuzweg: Weg der Hoffnung  https://st-martin-dresden.de/kreuzweg-2021-weg-der-hoffnung/