10. Station: ENTWÜRDIGUNG – Jesus wird seiner Kleider beraubt

 

Lesung: Joh 19,23–24:

23Als die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten,
teilten sie seine Kleider unter sich auf,
sodass jeder der vier Soldaten etwas davon bekam.

24Dann beschlossen sie: „Das Untergewand wollen wir nicht aufteilen.
Wir werden es verlosen.“
Es war nämlich aus einem Stück gefertigt, ohne jede Naht.

 
 

Bildbetrachtung:

Jesus steht da in voller Größe, auf dem Kopf die Dornenkrone,
an seiner Seite ein Soldat mit einem Helm.
Der Helm dient zum Schutz, die Dornenkrone verletzt und verspottet.

Nun wird Jesus auch noch seiner Kleider beraubt,
im wahrsten Sinne des Wortes bloßgestellt.
Nicht gerade zimperlich zerrt der Soldat am Stoff
und hat den linken Oberschenkel Jesu schon entblößt.

Die Kleidung ist nur noch ein Bündel aus Fetzen.
Eben war sie noch Schutz gegen Kälte oder Hitze, gegen fremde Blicke,
nun sind daraus unbrauchbare Stofffetzen geworden.
Oder hat der Soldat sich schon ein Stück über die Schulter gehängt?
Nichts ist mehr zu sehen von dem kostbaren Untergewand,
um das die Soldaten das Los geworfen haben.

Auf der anderen Seite Jesu steht ein Grenzpfahl
und erinnert an den ehemaligen Grenzverlauf zwischen Ost und West.

Lassen Sie das Bild eine Weile auf sich wirken!

 

 
 
 
 
 

Meditation:

Kleider schützen vor Kälte, Nässe, Hitze oder schädlicher UV-Strahlung,
doch hinter Kleidern kann man sich auch verstecken.

Kleider machen Leute, sie geben ihnen Würde.
Für viele Menschen ist die Kleidung Statussymbol.
Sie wollen damit etwas über ihre Person aussagen.
Wenn man einem Menschen die Kleidung vom Leib reißt, nimmt man ihm die Würde.
Ich muss dabei auch an die Me-Too Bewegung denken und die zunehmenden Missbrauchs-Vorfälle.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar!“
Aber die Realität ist eine andere.
Wie oft werden Menschen ihrer Würde beraubt?

Nicht nur bei Missbrauch und Misshandlung, oft schon durch Worte geschieht Entwürdigung.

Wo entwürdige ich Menschen durch meine Worte und Taten?
Wo stelle ich mein Gegenüber bloß?

 

Lied: Was Du, Herr, hast erduldet (GL 289,4)

Was Du, Herr, hast erduldet,
ist alles meine Last;
ich, ich hab‘ es verschuldet,
was Du getragen hast.
Schau her, hier steh‘ ich Armer,
der Zorn verdienet hat;
gib mir, o mein Erbarmer,
den Anblick Deiner Gnad.

 

Gebet:

Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Diese Grundüberzeugung unseres Glaubens hat Einzug gefunden in die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen und ist der erste Satz unseres Grundgesetzes.

Guter Gott, wir wollen beten für alle Menschen, die ihrer Würde beraubt wurden und immer noch werden, insbesondere für alle Missbrauchsopfer und die Opfer von Mobbing und Bloßstellung. Hilf ihnen, ihre Traumata zu verarbeiten und wieder ein möglichst normales Leben zu führen.

Wir wollen aber auch beten für alle Täter und Täterinnen, dass sie Reue empfinden und bei Dir Vergebung finden.

Sende den Kirchen und allen anderen gesellschaftlichen Einrichtungen Deinen Heiligen Geist, dass sie den richtigen Weg finden, mit dem Missbrauchsskandal umzugehen, und möglichst viele zukünftige Fälle verhindern.

Du Herr kannst alle Wunden heilen. Darauf vertrauen wir.

Amen

 
 
Foto und Text: Martin Geibel,
Skulptur: Ulrich Barnickel, Weg der Hoffnung, point alpa.
Weitere Hinweise zum diesjährigen Kreuzweg: Weg der Hoffnung  https://st-martin-dresden.de/kreuzweg-2021-weg-der-hoffnung/