9. Station: ERNIEDRIGUNG – Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz

 

Lesung: Ps 22,15-16

15Hingeschüttet bin ich wie Wasser,
gelöst haben sich all meine Glieder,
mein Herz ist geworden wie Wachs,
in meinen Eingeweiden zerflossen.

16Meine Kraft ist vertrocknet wie eine Scherbe,
die Zunge klebt mir am Gaumen,
du legst mich in den Staub des Todes.

 

Bildbetrachtung:

Von den drei Stürzen des Kreuzweges ist dieser der tiefste.
Jesus liegt ganz am Boden.
Die Spitze des Kreuzes ragt in den ehemaligen Grenzgraben der innerdeutschen Grenze hinein.
Das Kreuz bedeckt Jesus fast vollständig.
Er liegt da, als ob er schon am Kreuz angenagelt und mit ihm dann umgefallen wäre.
Kaum zu glauben, dass man da noch einmal aufstehen kann.

Lassen Sie das Bild eine Weile auf sich wirken!

 

Meditation:

Da liegt er nun wieder am Boden.
„Hingeschüttet“ heißt es im Psalm.
Tiefer kann man nicht mehr fallen.
Ist er schon gestorben?

An diesem geschichtsträchtigen Ort könnte man auch an einen sogenannten „Republikflüchtling“ denken, der kurz vor dem Grenzgraben „ausgeschaltet“ wurde. Mehrere hundert Menschen starben an der ehemaligen innerdeutschen Grenze.

Oder ist es einer der vielen Flüchtlinge, die heutzutage versuchen, nach Europa zu gelangen?
Unzählige schaffen es nicht und kommen auf dem langen Weg um.
Wer vermisst sie?

 

Lied: Aus der Tiefe rufe ich zu Dir (GL 283)

1Aus der Tiefe rufe ich zu Dir:
Herr, höre meine Klagen,
aus der Tiefe rufe ich zu Dir:
Herr, höre meine Fragen.

2Aus der Tiefe rufe ich zu Dir:
Herr, öffne Deine Ohren,
aus der Tiefe rufe ich zu Dir:
Ich bin hier ganz verloren.

3Aus der Tiefe rufe ich zu Dir:
Herr, achte auf mein Flehen,
aus der Tiefe rufe ich zu Dir:
Ich will nicht untergehen.

4Aus der Tiefe rufe ich zu Dir:
Nur Dir will ich vertrauen,
aus der Tiefe rufe ich zu Dir:
Auf dein Wort will ich bauen.

 

Gebet:

Herr Jesus Christus, Du bist tief gefallen, tiefer geht es nicht mehr.
Deshalb kannst Du auch alle verstehen, die heute ganz unten angekommen sind.
Zeige ihnen Perspektiven auf, wie sie wieder aufstehen können.

Auch Du warst als Kind mit Deinen Eltern auf der Flucht.
Wir wollen beten für alle Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen müssen.
Gib ihnen die Chance für einen Neuanfang.

Heutzutage ist Flucht eine Folge von Ungerechtigkeit,
die wir Menschen aus den wohlhabenden Ländern mit verursacht haben.
Vergib uns unsere Schuld und
zeige uns Wege, wie wir zu mehr Gerechtigkeit auf der Erde gelangen.

Wir gedenken aller, die an der innerdeutschen Grenze gestorben sind und der unzähligen Menschen, die in unseren Tagen auf der Flucht sterben. Nimm sie auf ihn Deine Herrlichkeit.

Amen.

 

Foto und Text: Martin Geibel,
Skulptur: Ulrich Barnickel, Weg der Hoffnung, point alpa.
Weitere Hinweise zum diesjährigen Kreuzweg: Weg der Hoffnung  https://st-martin-dresden.de/kreuzweg-2021-weg-der-hoffnung/